Reinkarnations-Bewußtsein

Reinkarnation, also mehrere oder sogar viele Erdenleben sind möglich. So ist der heutige Wissensstand, nachdem es zahlreiche Menschen gibt, die sich an ihre früheren Inkarnationen erinnern und Zusammenhänge mit ihrem gegenwärtigen Leben erkennen können.

Wenn es jedoch so etwas wie Reinkarnation und die Erinnerung an frühere Existenzen gibt, die sogar in das gegenwärtige Leben im Sinne von Beschwerden, Schmerzen, Ängsten, Vermeidungshaltungen u. a. hineinwirken, dann muß es dafür auch ein bestimmtes Bewußtsein, eine Art Gedächtnis, einen Speicher für die zurückliegenden Erlebnisse und Erfahrungen geben. Aus diesen Überlegungen heraus entstand für mich der Gedanke, daß es so etwas wie ein "Reinkarnations-Bewußtsein" (1, 2) geben müsse.

Da aber mit dem körperlichen Tod auch das Gehirn als Speicher von Gedächtnis und Erinnerungsfähigkeit stirbt, müssen wir davon ausgehen, daß die Seele sich nach dem Tode nicht nur vom Körper löst, sondern auch die Erinnerung an alles Erlebte und Erfahrene in die Transzendenz mitnimmt und in ein weiteres späteres Leben wieder einfügt. Es muß also so etwas wie ein immaterielles Gedächtnis geben, das nicht an das stoffliche Gehirn und Nervensystem gebunden ist.

Das Reinkarnations-Bewußtsein (B. R. Ebertin)

Zunächst können wir im Sinne der Schichten-Theorien der wissenschaftlichen Psychologie von Bewußtsein und Unbewußtem sprechen. Gegenüber von Sigmund Freud, der das Unbewußte nicht weiter differenzierte (3), sprach Carl Gustav Jung von einem "Persönlichen Unbewußten" und einem "Kollektiven Unbewußten" (4). Lipod Szondi, der Begründer der "Schicksals-Analyse", fügte zwischen das Persönliche und Kollektive Unbewußte noch das "Familiäre Unbewußte" (5) hinzu, worin so etwas wie aus der Tradition kommende Verhaltensweisen und Schicksalsentwicklungen bis hin zur Berufs-, Partner- und Todeswahl gespeichert sein wollen. Auch die sorgsam gehüteten Familiengeheimnisse gehören dazu.

Dem Kollektiven Unbewußten" Jung`s werden Inhalte der Seele unterstellt, die der gesamten Menschheit zugehörig sein sollen, also Instinkte und Reflexe und vor allem Archetypen als Urvorstellungen, Urbilder, Urerfahrungen der gesamten menschlichen Spezies.

Wenn man diesen Hypothesen folgt, können solche Urerfahrungen eigentlich nur über die Gene von einer Generation zur nächsten übertragen werden. Das ist sicher eine überlegenswerte Sichtweise. Sie reicht aber wahrscheinlich nicht aus, um die ganz individuelle Ausdruckssprache, die Beschreibungen von körperlichen und seelischen Zuständen, Gefühlen, vor allem Ängsten, Zwängen, Vermeidungshaltungen, Neurosen zu erklären.

Deshalb entstand aus meiner Sicht die Hypothese von dem schon oben genannten "Reinkarnations-Bewußtsein" (6). Wenn es nun möglich ist, nicht nur eine frühere Inkarnation vor das innere Auge des Patienten oder Klienten zu holen, sondern eine Serie von früheren Inkarnationen, deren zeitliche Abfolge hunderte bis tausende von Jahren zurückreichen können, dann kann es nach meinem Dafürhalten kein Reinkarnations- Bewußtsein als eine Schichtung verschiedener Arten des Bewußtseins und des Unbewußten geben, sondern dann muß das Reinkarnations-Bewußtsein sämtliche Schichten des Bewußtseins und des Unbewußten durchdringen, also gleichsam aus dem Raum des Bewußtseins bis in die tiefsten Seelenschichten hinunterreichen. Es muß also nicht waagrecht, sondern senkrecht - von oben nach unten - gedacht werden.

Modell des Reinkarnations-Bewußtseins 1 nach B. R. Ebertin
Modell des Reinkarnations-Bewußtseins 1 nach B. R. Ebertin
Modell des Reinkarnations-Bewußtseins 2 nach B. R. Ebertin
Modell des Reinkarnations-Bewußtseins 2 nach B. R. Ebertin

Die beiden Abbildungen für das Reinkarnations-Bewußtsein, die aus meinem Buch "Das karmische Gedächtnis - Reinkarnations und neues Bewußtsein" (7) entnommen wurden, sollen das demonstrieren. Sie zeigen eine Synthese zwischen den Schichtentheorien der Psychologie, tiefenpsychologischen Erkenntnissen und Reinkarnations-Therapie.

Kosmische Signaturen und Reinkarnation

Unser Modell des Reinkarnations-Bewußtseins zeigt noch einen weiteren Ansatz zur seriösen Astrologie und deren Weiterentwicklung zur Kosmobiologie. 

Seit die Astrologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder stärker öffentliche Aufmerksamkeit gewann, entstand auch die Frage, ob sich aus der Geburtskonstellation, dem für den Zeitpunkt der Geburt aufgestellten Horoskop, auch Hinweise auf Schicksalsabläufe in früheren Inkarnationen finden lassen könnten.

Meine Erfahrungen aus über 50 Jahren kosmobiologischer Forschung und Praxis, verbunden mit Heilkunde und Psychotherapie, und aus 30jähriger Beschäftigung mit der Reinkarnations-Therapie haben mir gezeigt, daß aus dem gegenwärtigen Geburtsbild (Kosmogramm) einer Person tatsächlich Rückschlüsse auf frühere Inkarnationen möglich sind; aber notwendig sind dazu ergänzende Hinweise aus der bisherigen Lebens- und Krankengeschichte, Ängste, Vermeidungshaltungen, Träume. Entsprechende diagnostische Hinweise auf diese Zusammenhänge können aus meinem Buch "Vom kosmischen Symbol zur ganzheitlichen Deutung" (8) vor allem unter den Stichworten "Psychosomatik" und "Tiefenpsychologie" entnommen werden (erhältlich im Buchhandel oder über das Ebertin-Institut).

 

Literatur

1) Ebertin, B. R., Das Modell des Reinkarnations-Bewußtseins. In Ztschr. Meridian, S. 18ff., Freiburg/Br. Nr. 1/1986.#

2) Ebertin, B. R., Das karmische Gedächtnis - Reinkarnation und neues Bewußtsein. 4.A., Bad Wildbad 2002.

3) Freud, S., Die Traumdeutung. Fischer-TB 6344. Frankfurt/Main.

4) Jung, C. G., Die Beziehungen zwischen dem Bewußtsein und dem Unbewußten. Olten 1971.

5) Szondi, L., Schicksals-Analyse. 2. A., Basel 1948.

6) Ebertin, Das karmische Gedächtnis, a.a.O. S. 124ff.

7) a.a.O., S. 126f.

8) Ebertin, B. R., Vom kosmischen Symbol zur ganzheitlichen Deutung. Freiburg/Br. 1998.